Skyr gilt in Fitness-Kreisen als Proteinlieferant erster Wahl. Das isländische Milchprodukt wird oft als besonders eiweissreich beworben, teils sogar als bessere Alternative zu Magerquark. Doch stimmt der Vergleich zwischen Skyr oder Quark wirklich? Ein Blick auf die tatsächlichen Nährwerte zeigt, dass die Unterschiede kleiner sind, als das Marketing vermuten lässt.
Was ist Skyr überhaupt?
Skyr stammt ursprünglich aus Island und gehört dort seit über tausend Jahren zur Esskultur. Traditionell wurde er hergestellt, um Milch für die langen Wintermonate haltbar zu machen. Seit etwa 2015 ist Skyr auch im deutschsprachigen Raum flächendeckend erhältlich.
Für die Herstellung wird entrahmte Milch mit Milchsäurebakterien angesäuert und zusätzlich mit Lab dickgelegt. Genau dieser Einsatz von Lab führt dazu, dass Skyr lebensmittelrechtlich als Frischkäsezubereitung gilt und nicht als Joghurt. Der Reifeprozess ist dabei deutlich kürzer als bei klassischem Käse.
Geschmacklich liegt Skyr zwischen Joghurt und Magerquark. Er schmeckt säuerlicher als Quark, seine Konsistenz ist fester als die von Joghurt. Diese Kombination macht ihn für viele zu einer angenehmen Alternative im Alltag.
Skyr, Quark und Joghurt im direkten Nährwert-Vergleich
Um die Frage nach der besten Proteinquelle zu beantworten, lohnt sich ein nüchterner Blick auf die Zahlen. Alle Werte beziehen sich auf 100 Gramm des jeweiligen Produkts.
| Produkt | Protein | Fett | Kohlenhydrate | Kalorien | Kalzium |
| Skyr | 11 g | 0,2 g | 4 g | 63–70 kcal | 150 mg |
| Magerquark | 12–13 g | 0,3 g | 4 g | 67–73 kcal | 90 mg |
| Naturjoghurt | 3–3,5 g | 3,5 g | 4-5 g | 61–64 kcal | 130 mg |
Bei den Kohlenhydraten unterscheiden sich alle drei Produkte kaum, sie liegen jeweils bei rund 4 bis 5 Gramm pro 100 Gramm. Der entscheidende Unterschied liegt also weiterhin beim Protein, nicht bei den Kohlenhydraten.
Der grösste Unterschied besteht also nicht zwischen Skyr und Quark, sondern zwischen diesen beiden und klassischem Joghurt. Skyr und Magerquark enthalten etwa drei- bis viermal so viel Eiweiss wie Naturjoghurt.
Warum Skyr oder Quark deutlich mehr Protein liefern als Joghurt
Der entscheidende Faktor liegt im Herstellungsprozess. Für die Produktion von Skyr und Quark wird der Milch ein grosser Teil der Flüssigkeit entzogen. Dadurch konzentrieren sich die enthaltenen Nährstoffe, insbesondere das Protein, auf ein kleineres Volumen.
Für ein Kilogramm Skyr wird etwa viermal so viel Milch benötigt wie für dieselbe Menge Joghurt. Diese Konzentration erklärt den deutlich höheren Proteingehalt vollständig. Es handelt sich also nicht um einen besonderen Inhaltsstoff oder ein Geheimnis der isländischen Tradition, sondern schlicht um einen physikalischen Effekt der Herstellung.
Welche Vorteile hat Magerquark gegenüber Skyr?
Entgegen der verbreiteten Annahme liefert Magerquark minimal mehr Protein als Skyr, nämlich etwa 12 bis 13 Gramm gegenüber 11 Gramm pro 100 Gramm. Wer also ausschliesslich auf die maximale Proteinmenge achtet, fährt mit Magerquark sogar etwas besser.
Skyr hat dennoch zwei messbare Vorteile. Zum einen liefert er mit etwa 150 Milligramm pro 100 Gramm deutlich mehr Kalzium als Magerquark. Zum anderen enthält Skyr in der Naturvariante meist etwas weniger Zucker. Beides sind reale, aber vergleichsweise kleine Unterschiede.
Ein praktisch relevanter Punkt ist der Preis. Skyr kostet im Handel teilweise doppelt so viel wie Magerquark, bei nahezu identischen Nährwerten. Wer regelmässig grössere Mengen konsumiert, spart mit Magerquark spürbar Geld, ohne ernährungsphysiologische Nachteile in Kauf zu nehmen.
Skyr oder Quark für den Muskelaufbau
Für den Muskelaufbau ist entscheidend, wie viel Protein du insgesamt über den Tag zu dir nimmst und wie du diese Menge über deine Mahlzeiten verteilst. Ein einzelnes Produkt macht dabei selten den Unterschied.
Eine Portion von 250 Gramm Skyr liefert etwa 27 Gramm Protein. Das reicht aus, um die für den Muskelaufbau relevante Leucin-Schwelle zu überschreiten, ab der die Muskelproteinsynthese effektiv angeregt wird. Dieselbe Menge Magerquark liefert mit rund 30 bis 32 Gramm sogar noch etwas mehr.
Beide Produkte sind deshalb gut geeignet, um eine proteinreiche Mahlzeit zu ergänzen. Der Unterschied zwischen ihnen ist für den Trainingserfolg jedoch praktisch bedeutungslos. Wichtiger ist, ob du regelmässig genug Protein über den Tag verteilt isst.
Praktisches Fazit für deine Ernährung
Skyr ist eine gute Proteinquelle, aber keine überlegene Alternative zu Magerquark. Bei der reinen Proteinmenge liegt Magerquark sogar leicht vorne, während Skyr beim Kalzium punktet. Beide sind fettarm, kalorienarm und gut geeignet, um deinen täglichen Proteinbedarf zu decken.
Die Entscheidung zwischen Skyr und Quark sollte deshalb nicht von vermeintlichen Nährwertvorteilen abhängen, sondern von Geschmack, bevorzugter Konsistenz und deinem Budget. Wer die cremigere, mildere Textur von Skyr bevorzugt und den höheren Preis akzeptiert, macht nichts falsch. Wer hingegen sparen möchte, greift zu Magerquark und erhält praktisch dieselben ernährungsphysiologischen Vorteile.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Ernährungsberatung.


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